Heute bin ich auf der Zähringerstrasse unterwegs.
Gestern feierte die Zähringerstadt Burgdorf die 283. Solätte. In der Altstadt, in der Kirche, auf der Schützenmatt zeigte sich viel Volk. Festlich gestimmt. Zwischendurch mit eindrücklichem Blick auf das Schloss hoch über der Stadt. 1729 fand die 1. Solätte statt.

Das Schloss ist viel älter. Dessen Ursprünge reichen in die Zeit der Grafen von Rheinfelden zurück. Deren Besitz erben die Zähringer 1090 durch Heirat. 1175 wird Burgdorf erstmals schriftlich erwähnt. Herzog Bertold V. von Zähringen lässt auf dem Schlossfelsen eine grosszügige Burganlage mit Residenzcharakter bauen und in der Nähe eine grosse Kirche für feierliche Gottesdienste. Burgdorf soll Zentrumsort im zähringischen Herzogtum Burgund werden.

Aber die Geschichte macht eine Kurve. Geschichte macht Bern. Die Stadt war von den Zähringern ab 1191 vorgesehen, um Geld zu verdienen.

Um 1200 gibt es in Burgdorf keine Zähringerstrasse. Heute führt sie östlich an Regionalspital, Tennishallen, Berufsfachschule und Schulhaus Lindenfeld vorbei. Abseits der Altstadt. Auf das Schloss kann nur zwischendurch ein Blick geworfen werden. Unterwegs auf der Zähringerstrasse im Lindenfeld werde ich motiviert, mich mit alten Zeiten zu befassen.

Aus der Bibliothek hole ich das dicke Buch „Berns mutige Zeit. Das 13. und 14. Jahrhundert neu entdeckt“. Im ersten Teil spielt Burgdorf eine wichtige Rolle. Dann verschiebt sich der Schwerpunkt nach Bern. Dort sind heute noch einige Zeugen von Berns mutiger Zeit zu sehen: ein Standbild Bertolds V. am Berner Münster, der Zähringer-Brunnen vor dem Zytgloggeturm, das Zähringer-Denkmal im Nydegghöfli. Und selbstverständlich auch eine Zähringerstrasse.

Vor Kurzem ging ich als Tourist durch die Altstadt von Zürich. Neben dem Grossmünster entdeckte ich „das Haus zum Loch“. Auf einer Tafel steht: „Wohnhaus der Ritter Wisso 1230–1350 und vermuthlich der Herzoge von Zähringen in Zürich bis 1218. Nach der Sage einst Residenz Kaiser Karls des Grossen“. Eine kleine Notiz zur grossen Geschichte. Ab 1098 gehörte Zürich als Reichslehen den Zähringern.

Die Sommerferien beginnen in ein paar Tagen. Warum nicht nach Freiburg im Breisgau fahren? Nach Freiburg im Üechtland. Nach Thun oder Murten. Nach Neuenburg am Rhein. Oder in Bern alte Zeitzeugen fotografieren.

Markus Buenzli-Buob

PS: Dieser Text erschien in der Wochenzeitung D'REGION vom 2. Juli 2014 in der Rubrik "Das Wort der Woche" - ausnahmensweise (wegen der Solätte) an einem Mittwoch und nicht wie gewohnt am Dienstag.