Aufs E-Bike sitzen und 24 Kilometer durchs Emmental in 1 Stunde fahren. Eigentlich nichts Besonderes.

Ich wähle eine für mich neue Route. Bei der Ortsausfahrt Oberburg gehts nach rechts, hinauf nach Oschwand. Der Blick nach Norden zeigt Schloss und Stadtkirche Burgdorf. Rasch umgibt mich Grün in vielen Nuancen: Weiden, Wiesen, Wälder, Hügel.

Ganz nah von zuhause, ist die Stadt nach wenigen Radumdrehungen gefühlsmässig weit weg. Kühe grasen. Ziegen springen herum. Menschen leben von der Landwirtschaft. Die Hochebene führt nach Breitenwald. Hinunter ins Luterbachtal. Hinauf nach Dieterswald. Högerland.

Auf einem Stück Jakobsweg fahre ich via Hunsperg und Zimmerberg zurück nach Oberburg. Der Anblick der Kirche erinnert daran, dass Oberburg bis 1401 Pfarrkirche der Region war, verbunden mit dem Kloster Trub.

Für den Rückweg nach Burgdorf benutze ich ein Stück Herzroute.

Jakobsweg und Herzroute durchqueren das Emmental. Gleich um Haus- und Kirchenecke kann man Gedanken in die weite Welt und in die Geschichte schweifen lassen. Oder sich aufmachen: heute noch ganz nah, morgen bereits weit weg.

Markus Buenzli-Buob

PS: Dieser Text erschien im Berner Pfarrblatt 18/2016 in der Rubrik Pastoralraum Emmental